Montag, 28. März 2016

Nichts (Gedichte aus der Kurklinik I)

Nichts erwarten, Nichts bekennen,
Nichts verleugnen, Nichts benennen, 
Nichts befürchten, Nichts erzielen,
Nicht das Spiel der Sieger spielen.

Nichts berühren, Nichts erlernen,
Nichts erkämpfen, Nichts entfernen,
Nichts entbehren, Nichts besprechen,
Nicht an Furcht und Zorn zerbrechen.

Nichts bereuen, Nichts empfinden,
Nichts erneuern, Nichts verbinden,
Nichts mehr ernten, Nichts mehr denken,
Nicht mehr jeden Tag verschenken.

Glück erfordert leere Räume,
ohne Ziele, ohne Träume.
Darum heißt zufrieden leben:
auch mal gar nichts zu erstreben. 

Montag, 4. Januar 2016

Zwitschern

Die Vöglein zwitschern voller Wonne,
ihr Balzen nervt - es klingt banal!
Ein jeder Pieps ist für die Tonne,
dem Klanggourmet ist's eine Qual.

Erst pfeifts im schrillen Tal der Tränen,
dann fliegt ein schwarzer Rabe auf.
Er zwitschert nicht, fängt an zu Gähnen,
dann setzt er noch ein Krächzen drauf.

Der Piepmatz hört nicht auf zu tönen,
obwohl der schwarze Hörer stört. 
Das Vöglein lässt sich gern verhöhnen,
wenn nur die Welt sein Piepsen hört.

Der Rabe scheißt auf all die Klänge
und ruft sein Rabenvolk herbei.
Man treibt den Piepmatz in die Enge,
ein Sturm bricht los, schon Krächzen drei.

Aus dreien werden dreizehn, zwanzig,
das Vöglein heult geschlagen auf.
Man hört den Sturm von Wien bis Danzig,
wer gerne zwitschert, nimmt's in Kauf.

Montag, 3. März 2014

Ukrainische Manipulationen

Vom Osten her tönt Propaganda,
Wir hören viel - aus einer Sicht.
Der Ahnungslose sitzt gespannt da
Und reimt daraus, was ihm entspricht.

Im Widerstreit der Interessen
Erlischt so manchem der Verstand.
Wir sollen brav die Einsicht fressen:
Nur Putin setzt die Welt in Brand!

Auch Russland füttert sein Gesinde
Mit Nachrichten aus einem Guss.
So schafft man sich devote Blinde
Und spannt den Hahn zum ersten Schuss.

Im Schlachtgebrüll stirbt erst die Wahrheit,
An zweiter Stelle: die Vernunft.
Nach Blut verlangt die tolle Geilheit,
derweil das Hirn im Manne schrumpft.

Nun gut, so mögt ihr euch bekriegen.
Ihr macht ja doch, was euch gefällt.
Das Volk wird ewig unterliegen –
Wo Macht und Einfluss zehnfach zählt.

Donnerstag, 29. August 2013

Gedicht zur Bundestagswahl 2013

Wenn Wahltag ist, dann geh' ich wählen,
auch wenn ich mir nicht viel erhoff'.
Sie sollen meine Stimme zählen,
dann schwelt mein Wort im Wählertopf.

Die Welt wird sich wohl kaum verändern,
gleich wem ich meine Stimme geb'.
Sie bleibt - wie stets - in reichen Händen,
Gewicht hat, wer im Luxus lebt.  

An bunten Marionetten ziehen,
das ist das Spiel des reichen Manns.
Den Regeln kann kein Mensch entfliehen,
wer reichlich gibt, beherrscht das Land.

So fließt das Geld in bunte Taschen,
mal gelb, mal schwarz, mal rot, mal grün.
Die Ideale auszuwaschen,
erfordert selten viel Bemühn'.

Nicht jeder muss sich vornehm bücken,
eh' er die Spender rückbeschenkt -
Den Gelben ist es ein Entzücken,
wenn Reichtum die Geschicke lenkt.

Ein Spruch erschallt in meinem Herzen,
wenn ich den Gang zur Wahl erwäg':
"Auf, löschen wir die gelben Kerzen,
sie haben uns zu stark geprägt!"

Ich will mein Stimmchen gern vergeuden,
zum Hohn der letzten Wahnidee.
Drum feier ich schon jetzt mit Freuden
den Untergang der FDP...

Montag, 8. Juli 2013

Blogger


Wir tümmeln uns im Internet
und geben unser Ich zum Besten.
Wir wälzen uns im Lobesfett,
und mästen uns an Beifallsresten.

Verschroben ist die Cyberwelt,
ein jeder gibt sich als Experte,
als Künstler oder Alltagsheld,
als Meister seiner Selbstofferte.

Frau Wonnepiel zeigt Lippenstift,
ein Scheinpoet reimt heiter Verse,
ob Heilkunst, Einsicht oder Gift,
das Worldwideweb hält's auf Reserve.  

Ein wenig Ruhm, ein Quäntchen Glück,
das ist der Lohn der Selbstverleumdung.
Das Netz verdaut uns Stück um Stück -
Mein Wort und Wirken bleibt Vergeudung.

Samstag, 15. Juni 2013

Aphorismen 2

Wenn ich auf dem Parkplatz eines Supermarkts unterwegs bin, gilt rechts vor links nur, wenn ich von rechts komme.

Freitag, 14. Juni 2013

Aphorismen 1

Sobald man die Welt durchschaut hat, gilt man bei seinen Mitmenschen als Zyniker.